Wenn durch die Atmung zu viel Kohlendioxid abgegeben wird
Kurze Definition
Eine respiratorische Alkalose ist eine Säure-Basen-Störung, bei der der Kohlendioxid-Partialdruck im arteriellen Blut primär abfällt. Ursache ist eine im Verhältnis zur CO₂-Produktion erhöhte alveoläre Ventilation – also Hyperventilation. Der pH-Wert steigt dabei in den alkalischen Bereich oder kann bei länger bestehenden Veränderungen durch körperliche Kompensation näher am Normalbereich liegen.
„Respiratorisch“ zeigt: Die primäre Veränderung geht von Atmung beziehungsweise Ventilation aus. Bei länger bestehenden Veränderungen können die Nieren unter anderem über die Bikarbonat-Regulation kompensierend reagieren.
Bedeutung im Atemtraining
Für Atemtraining ist die respiratorische Alkalose wichtig, weil sie die direkte Verbindung zwischen Atmung, CO₂ und Säure-Basen-Haushalt zeigt. Wird mehr CO₂ abgeatmet, als der Stoffwechsel neu bildet, kann der PaCO₂ sinken.
Im funktionellen Atemtraining und in Buteyko-Grundlagen hilft dieser Zusammenhang, Überatmung physiologisch einzuordnen. Es geht nicht nur um „zu schnelles Atmen“. Auch ein im Verhältnis zum Bedarf zu großes Atemvolumen kann die Ventilation erhöhen.
Atemtraining kann Atemmuster und Atemwahrnehmung thematisieren. Eine respiratorische Alkalose selbst ist jedoch eine medizinische Einordnung und wird nicht durch Beobachtung, Kontrollpause oder subjektives Atemgefühl diagnostiziert.
Einordnung und Missverständnisse
Kribbeln, Benommenheit, Schwindel oder ein Gefühl von Atemnot können bei einer akuten respiratorischen Alkalose vorkommen. Diese Beschwerden sind jedoch nicht spezifisch und können andere Ursachen haben.
Ein häufiger Fehler ist die vorschnelle Aussage: „Das ist nur Hyperventilation.“ Eine respiratorische Alkalose kann in unterschiedlichen medizinischen und physiologischen Situationen auftreten, etwa bei Hypoxie, Fieber, Schmerzen, Schwangerschaft oder Erkrankungen von Lunge und zentralem Nervensystem.
Wichtig: Eine respiratorische Alkalose ist keine Atemtrainer-Diagnose. Neu auftretende, starke oder anhaltende Atemnot, Brustschmerz, Bewusstseinsveränderungen oder deutliche neurologische Beschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden.
Praktischer Bezug zu Breathe-Wise
Bei Breathe-Wise nutzen wir diesen Begriff, um verständlich zu machen, dass Atmung Teil der chemischen Regulation des Körpers ist. CO₂ ist nicht einfach ein bedeutungsloses „Abgas“, das möglichst vollständig ausgeatmet werden sollte.
Im Training beobachten wir das Atemmuster: Wie verändert sich die Atmung bei Stress? Wird sie größer, schneller oder unruhiger? Entstehen häufige Seufzer oder tiefe Nachatemzüge? Diese Beobachtungen dienen der Körperwahrnehmung und Einordnung des Atemverhaltens – nicht der Selbstdiagnose einer Alkalose.
Dieser Glossarbeitrag dient der allgemeinen Wissensvermittlung rund um Atmung, Atemtraining und Körperwahrnehmung. Er stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapie dar und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Es werden keine Heilversprechen abgegeben.
Quellen & weiterführende Informationen
- MSD Manual, Fachkreise: Respiratorische Alkalose – https://www.msdmanuals.com/de/profi/endokrine-und-metabolische-krankheiten/s%C3%A4ure-basen-regulation-und-st%C3%B6rungen/respiratorische-alkalose
- NCBI Bookshelf / StatPearls: Alkalosis – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK545269/
- NCBI Bookshelf / StatPearls: Hypocarbia – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK493167/
