Wenn die Regulation des pH-Werts aus dem Gleichgewicht gerät
Kurze Definition
Säure-Basen-Störungen sind Veränderungen der physiologischen Regulation, durch die sich das Säure-Basen-Gleichgewicht des Körpers verschiebt. Medizinisch werden vier grundlegende Formen unterschieden: metabolische Azidose, metabolische Alkalose, respiratorische Azidose und respiratorische Alkalose.
Der pH-Wert des Blutes wird in einem engen Bereich reguliert. Daran sind Puffersysteme, die Lunge und die Nieren beteiligt. Die Atmung beeinflusst den Säure-Basen-Haushalt vor allem über Kohlendioxid, während die Nieren unter anderem Bikarbonat und Säureausscheidung regulieren (siehe auch „nächtlicher Harndrang“).
Bedeutung im Atemtraining
Für Atemtraining ist besonders die respiratorische Seite interessant. Wird im Verhältnis zum Stoffwechsel zu viel CO₂ abgeatmet, kann der CO₂-Partialdruck sinken und sich eine respiratorische Alkalose entwickeln. Bei unzureichender Ventilation kann CO₂ ansteigen und zu einer respiratorischen Azidose beitragen.
Damit wird deutlich: Atmung bewegt nicht nur Luft. Über die CO₂-Regulation ist sie unmittelbar mit dem Säure-Basen-Haushalt verbunden. Genau deshalb spielen Begriffe wie alveoläre Ventilation, Hypokapnie und Hyperkapnie in der Atemphysiologie eine wichtige Rolle.
Im Buteyko- und funktionellen Atemkontext hilft dieses Wissen, Überatmung physiologisch einzuordnen. Es bedeutet jedoch nicht, dass Atemtraining zur eigenständigen „Korrektur des pH-Werts“ eingesetzt werden sollte.
Einordnung und Missverständnisse
Der Begriff „Übersäuerung“ wird im Alltag oft unscharf verwendet. Medizinische Säure-Basen-Störungen sind klar definierte physiologische beziehungsweise pathophysiologische Zustände und werden unter anderem anhand von Blutgaswerten, pH, CO₂ und Bikarbonat eingeordnet.
Auch die Vorstellung, man könne den Blut-pH durch einzelne Lebensmittel oder einfache Atemübungen beliebig in die gewünschte Richtung verschieben, ist zu stark vereinfacht. Der Körper verfügt über eng gekoppelte Regulations- und Kompensationsmechanismen.
Wichtig: Eine Azidose oder Alkalose ist eine medizinische Einordnung. Atemübungen, Atempausen oder subjektive Körperempfindungen sind kein zuverlässiger Selbsttest auf eine Säure-Basen-Störung. Medizinische Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.
Praktischer Bezug zu Breathe-Wise
Bei Breathe-Wise nutzen wir den Säure-Basen-Haushalt vor allem, um die Rolle von CO₂ verständlicher zu machen. Wenn sich die Atmung verändert, kann sich auch die CO₂-Abgabe verändern.
Im Atemtraining bleiben wir deshalb bei dem, was wir tatsächlich beobachten können: Atemrhythmus, Atemvolumen, Atemreiz, Anspannung und die Reaktion des Körpers auf eine Übung.
Dieser Glossarbeitrag dient der allgemeinen Wissensvermittlung rund um Atmung, Atemtraining und Körperwahrnehmung. Er stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapie dar und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Es werden keine Heilversprechen abgegeben.
Quellen & weiterführende Informationen
- NCBI Bookshelf / StatPearls: Physiology, Acid Base Balance – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK507807/
- MSD Manual, Fachkreise: Säure-Basen-Störungen – https://www.msdmanuals.com/de/profi/endokrine-und-metabolische-krankheiten/s%C3%A4ure-basen-regulation-und-st%C3%B6rungen/s%C3%A4ure-basen-st%C3%B6rungen
- MSD Manual, Fachkreise: Respiratorische Alkalose – https://www.msdmanuals.com/de/profi/endokrine-und-metabolische-krankheiten/s%C3%A4ure-basen-regulation-und-st%C3%B6rungen/respiratorische-alkalose
- MSD Manual, Fachkreise: Respiratorische Azidose – https://www.msdmanuals.com/de/profi/endokrine-und-metabolische-krankheiten/s%C3%A4ure-basen-regulation-und-st%C3%B6rungen/respiratorische-azidose
