Verknüpfter Begriff: Stickstoff

  • Stickstoffmonoxid (NO)

    Ein körpereigenes Signalmolekül in den Atemwegen

    Kurze Definition

    Stickstoffmonoxid, kurz NO, ist ein gasförmiges Signalmolekül, das der menschliche Körper selbst bildet. Es darf nicht mit molekularem Stickstoff (N₂) verwechselt werden, dem mengenmäßig größten Bestandteil der Luft.

    In den Atemwegen wird NO an verschiedenen Stellen gebildet. Besonders hohe Konzentrationen wurden in den Nasennebenhöhlen nachgewiesen. Von dort gelangt NO in die Nasenluft und kann bei der Einatmung über die Nase in die unteren Atemwege transportiert werden.

    NO ist an unterschiedlichen biologischen Prozessen beteiligt. Dazu gehören unter anderem die Regulation des Gefäßtonus und lokale Funktionen in den Atemwegen. Welche Bedeutung einzelne NO-Effekte im konkreten Menschen haben, hängt vom physiologischen und medizinischen Zusammenhang ab.

    Bedeutung im Atemtraining

    Für Atemtraining ist Stickstoffmonoxid vor allem wegen der Nasenatmung interessant. Untersuchungen zeigen, dass NO aus Nase und Nasennebenhöhlen bei nasaler Einatmung in die inspirierte Luft gelangt.

    In kleinen Humanstudien wurden Unterschiede zwischen nasaler und oraler Atmung hinsichtlich nasalen NO-Transports und einzelner Messgrößen der pulmonalen Funktion beschrieben. Daraus folgt jedoch nicht, dass Nasenatmung über NO pauschal jede Sauerstoffversorgung „optimiert“ oder Erkrankungen beeinflusst.

    Auch Summen beziehungsweise Humming ist in diesem Zusammenhang bekannt: In einer kleinen Studie stieg das gemessene nasale NO während des Summens deutlich an. Der Mechanismus wurde mit einem verstärkten Gasaustausch zwischen Nasennebenhöhlen und Nasenhöhle in Verbindung gebracht.

    Einordnung und Missverständnisse

    Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von Stickstoff und Stickstoffmonoxid. N₂ und NO sind chemisch und biologisch unterschiedliche Stoffe.

    Ebenso zu einfach ist die Aussage: „Nasenatmung produziert NO und deshalb kommt automatisch mehr Sauerstoff in jede Zelle.“ NO ist Teil komplexer Regulationsprozesse. Sauerstofftransport und Gewebeversorgung hängen zusätzlich von Ventilation, Gasaustausch, Hämoglobin, Durchblutung und Stoffwechsel ab.

    Aus erhöhten nasalen NO-Werten während bestimmter Atemmanöver lässt sich außerdem keine allgemeine therapeutische Aussage ableiten.

    Fachlich sauber: Nasal gebildetes NO ist ein realer physiologischer Bestandteil der Atemwege. Seine Existenz ist gut belegt. Überzogene Aussagen, nach denen einzelne Atemtechniken über NO pauschal Gesundheit oder Sauerstoffversorgung „maximieren“, gehen über die belastbare Aussage hinaus.

    Praktischer Bezug zu Breathe-Wise

    Bei Breathe-Wise ist Stickstoffmonoxid ein gutes Beispiel dafür, wie spannend Nasenatmung physiologisch ist – und wie schnell daraus Atemmythen entstehen können.

    Wir müssen NO weder mystifizieren noch ignorieren. Es reicht zunächst zu verstehen: Die Nase ist weit mehr als ein Luftrohr. In den oberen Atemwegen entstehen Stoffe und physikalische Bedingungen, die Teil der normalen Atemphysiologie sind.

    Dieser Glossarbeitrag dient der allgemeinen Wissensvermittlung rund um Atmung, Atemtraining und Körperwahrnehmung. Er stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapie dar und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Es werden keine Heilversprechen abgegeben.

    Quellen & weiterführende Informationen