Ein uneindeutiger Begriff der Lungenvolumina
Kurze Definition
Der Ausdruck Residualkapazität wird im Alltag gelegentlich für die Luftmenge verwendet, die nach einer Ausatmung in der Lunge verbleibt. Fachlich ist die Bezeichnung jedoch nicht eindeutig standardisiert.
Meist ist damit die funktionelle Residualkapazität (FRC) gemeint: das Gasvolumen, das nach einer normalen, passiven Ausatmung in der Lunge verbleibt. Die FRC setzt sich aus dem exspiratorischen Reservevolumen und dem Residualvolumen zusammen.
Davon zu unterscheiden ist das Residualvolumen (RV). Es bezeichnet die Luftmenge, die selbst nach einer maximalen Ausatmung in der Lunge verbleibt. FRC und RV lassen sich nicht direkt mit einer einfachen Spirometrie bestimmen.
Wortherkunft und Bedeutung
„Residual“ geht auf das lateinische residuus zurück und bedeutet „zurückbleibend“. „Kapazität“ bezeichnet in der Lungenphysiologie eine aus mehreren Volumina zusammengesetzte Luftmenge.
Bedeutung im Atemtraining
Für Atemtraining ist die funktionelle Residualkapazität relevant, weil sie den Ausgangspunkt vieler ruhiger Atemzüge bildet. Am Ende einer entspannten Ausatmung befinden sich Lunge und Brustkorb in einem mechanischen Gleichgewicht.
Sie hilft zu verstehen, dass die Lunge nach einer normalen Ausatmung keineswegs „leer“ ist. Ein erheblicher Gasanteil bleibt in den Atemwegen und Alveolen zurück und stabilisiert den kontinuierlichen Gasaustausch zwischen den Atemzügen.
Atemwahrnehmung kann dieses Ruhegefühl am Ende der Ausatmung erfahrbar machen. Sie misst oder verändert die FRC jedoch nicht automatisch.
Einordnung und Missverständnisse
Residualkapazität und Residualvolumen sind nicht dasselbe. Wer einen medizinischen Befund liest, sollte prüfen, welche konkrete Abkürzung gemeint ist.
Eine veränderte FRC kann unter anderem mit Körperlage, Alter, Übergewicht, Lungenerkrankungen oder mechanischen Eigenschaften von Lunge und Brustkorb zusammenhängen. Sie lässt sich nicht allein aus dem subjektiven Atemgefühl ableiten.
Eine einfache Spirometrie erfasst nur Luft, die ein- oder ausgeatmet werden kann. Zur Bestimmung von FRC und RV werden zusätzliche Verfahren wie Bodyplethysmographie oder Gasverdünnung benötigt.
Fachlich sauber: Im Breathe-Wise Atemlexikon wird „Residualkapazität“ als unscharfer Oberbegriff erklärt. Für präzise Aussagen sollte zwischen funktioneller Residualkapazität (FRC) und Residualvolumen (RV) unterschieden werden.
Praktischer Bezug zu Breathe-Wise
Bei Breathe-Wise nutzen wir den Begriff, um das Ende einer ruhigen Ausatmung besser zu verstehen: Die Atmung pausiert kurz, die Lunge bleibt aber mit Luft gefüllt.
Das dient der Körperwahrnehmung. Medizinische Lungenvolumina werden dagegen mit standardisierten diagnostischen Verfahren bestimmt.
Dieser Glossarbeitrag dient der allgemeinen Wissensvermittlung rund um Atmung, Atemtraining und Körperwahrnehmung. Er stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapie dar und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Es werden keine Heilversprechen abgegeben.
